Winkt das große Geld, ist plötzlich alles vergessen!

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Zugegeben haben Angelegenheiten des FC Barcelona einen Madridista, wenn überhaupt, nur beiläufig zu interessieren. Wie das altbekannte Sprichwort so schön sagt, sollte jeder vor der eigenen Türe kehren. – Die Betonung liegt hier freilich auf sollte, denn wer hat sich denn ernsthaft noch nie dabei ertappt, wie er einen Blick zum großen Rivalen wagt, weil womöglich ein großer Transfer-Coup ins Haus steht? Genau das ist derzeit in der Hauptstadt Kataloniens der Fall! Nach übereinstimmenden Medienberichten steht Antoine Griezmann unmittelbar vor einem Wechsel zum FC Barcelona! Eigentlich nichts Ungewöhnliches, wäre da nicht ein Radio-Interview des Franzosen, in dem er klar und deutlich zu verstehen gibt, Anhänger der Blancos zu sein. Das große Geld macht solche Aussagen scheinbar einfach vergessen!

Ein Franzose drückt Real Madrid im Baskenland die Daumen!

Blicken wir zurück ins Jahr 2005. Der blutjunge Antoine ist damals zarte 14 Jahre alt. Dass dieser technisch versierte Jungspund ganz vernünftig gegen das runde Leder tritt, war da schon offensichtlich. Und dennoch schickten ihn die Jugendakademien der großen französischen Vereine fort. „Es wird wohl nicht ganz reichen“, dachte man sich dort und lehnte den quirrligen Außen dankend ab. Im Baskenland rieb man sich hingegen die Hände, als der französische Teenie in San Sebastián vorstellig wurde. Im Sommer des selben Jahres nahm man Griezmann dort in froher Hoffnung in das Nachwuchszentrum auf. Prompt explodierte der Neuankömmling und durchlief die Jugendkategorien im Eiltempo, bis er zu den Profis der txuri urdin vorstieß. Zu jener Zeit begeisterten die Blau-Weißen ganz Europa mit ihrem Spiel, qualifizierten sich sogar für die Champions League. Galionsfigur dieses sportlichen Hochs war eben jener Antoine Griezmann, der endlich die Aufmerksamkeit bekam, die er verdiente. An Interviews mangelte es Antoine logischerweise nicht und so ließ er sich in einem Gespräch im spanischen Radio dazu hinreißen, seinen Lieblingsklub zu nennen.

 

„Da Ich madridista bin, drücke ich real natürlich die daumen!“

 

Ein Mann, ein Wort. Oder wie war das nochmal?

Kurz nach diesen Aussagen wechselte Griezmann tatsächlich in die Stadt seiner fußballerischen Träume. Allerdings war sein neues zuhause von nun an nicht das Santiago Bernabéu, sondern das benachbarte Vicente Calderón, die Heimstätte des Lokalrivalen Atlético Madrid. Schon zu jener Zeit rieb man sich bei den Rojiblancos verwundert die Augen. Manche baten den Vorstand sogar, Abstand von diesem Transfer zu nehmen, man wolle ja schließlich keinen Merengue im rot-weißen Dress sehen. Die Zeit heilte auch in diesem Fall alle Wunden und so wurde Griezmann auch am Manzanares zur Ikone seiner Fans. Doch nicht nur das: Die Nummer 7 avancierte zu einem echten Beckham-Revival. „Griezi“ vermarktet sich inzwischen wie ein Rockstar, seine Poster zieren heutzutage tausende Kinderzimmer in aller Herren Länder und sein Gesicht ist Teil der größten Werbekampagnen weltweit. Man muss sicherlich nicht sonderlich fußballaffin sein, um den Namen des Antoine Griezmann mit einem herausragendem Kicker in Verbindung zu bringen. Jeder kennt ihn, den schlanken Blondschopf mit den vielen Tattoos und den ständig wechselnden Frisuren. Auch sporlich ist er oben auf:Letztes Jahr zählte er für viele Experten sogar noch zu den besten 5 Fußballern unseres Planeten. Rückblickend hatte der Wechsel zu Atlético, aufgrund seiner Aussagen, einen faden Beigeschmack. Rein sportlich hätte beiden Parteien wohl nichts Besseres passieren können.

 

Ein Madridista auf Abwegen – Über Atlético zu Barca.

Stand heute steht Griezmann ein weiteres Mal vor dem Absprung. Als wäre der Wechsel eines bekennenden Madridistas ins Calderón nicht umstritten genug, soll nun der FC Barcelona unmittelbar vor der Verpflichtung des Franzosen stehen. Als Fußballromantiker fragt man sich da berechtigtermaßen, was ein Bekenntnis zu den Vereinsfarben im modernen Fußball noch wert ist. Rein garnichts!  Als Madridista zu Atlético zu wechseln ist schwer verständlich, zum Zeitpunkt des Transfers war das sportliche Geamtpaket aber einigermaßen stimmig. Mit großem Wohlwollen konnte man seinen nächsten Schritt auf der Karriereleiter nachvollziehen.

Doch wie um alles in der Welt bringt es Griezmann über’s Herz, im kommenden Sommer zum FC Barcelona überzulaufen? Sportlich ist der Sprung objektiv betrachtet kein großer. Bei Zweifeln könnte man Arda Turan befragen, der Atléti gen Barcelona verließ, um den Henkelpott zu gewinnen und, wie es der Zufall wollte, gegen seinen Ex-Klub aus selbigem Wettbewerb ausschied.

Natürlich geht es in der causa Griezmann wieder um jede Menge Knete! Mit einem momentanen Jahresgehalt von rund 12 Millionen Euro dürfte es Griezmann wohl auf drei warme Mahlzeiten und eine Einzimmer-Wohnung bringen, noch mehr Schotter schadet im Zweifel dann aber doch nicht. Um das nochmals zu unterstreichen: Dieser Kommentar soll keine Fundamentalkritik an überbezahlte Fußballprofis sein. Wer von uns würde denn ein Millionensalär ablehnen? Wer würde nicht den Arbeitgeber wechseln, wenn dieser das Gehalt ordentlich aufstockt? – Niemand, denn das ist eine ganz normale menschliche Regung!

Der Grund dieser Zeilen sind die Fans, die hunderte Euros investieren, um Spieler wie Antoine Griezmann spielen zu sehen, die sich die Stimmbänder wundschreien, weil sie ihren Verein so sehr lieben. Jenen Menschen bedeuten die Vereinsfarben deutlich mehr, als den völlig schmerzfreien Multimillionären wie Griezmann, die zur Not alles vergessen, was sie vor laufendem Mikrophon gesagt haben. Gut vorstellbar, dass Griezmann bei seiner Ankunft im Camp Nou zum besten gibt, schon im Kindesalter glühender Barca-Fan gewesen zu sein und davon erzählt, wie er und seine Freunde einst in der Vereins-Bettwäsche schliefen…