Unglückliches Remis in einem enttäuschenden Derby

Quelle: Imago

Feiertag im spanischen Fußball-Oberhaus! Die Augen aller Sportliebhaber waren an diesem Samstagabend auf das Wanda-Metropolitano gerichtet; in dem die Mannen von Diego Simeone den Rekordmeister von der Concha Espina empfingen. Die Brisanz dieses Aufeinandertreffens wurde durch die vorherrschende Tabellenkonstellation in der Liga Santander beinahe ins Unermessliche getrieben. Beide Mannschaften waren gewissermaßen zum Siegen verdammt, um den Anschluss an den Spitzenreiter aus Barcelona nicht gänzlich zu verlieren. Beste Vorzeichen für ein historisches Derby, das sich am heutigen Tage erstmals im brandneuen Metropolitano die Ehre gab.

 

Bissige Hausherren, glückliche Gäste!

Die Colchoneros waren in der Frühphase der Partie sichtlich darum bemüht, ihr Revier vor heimischer Kulisse zu markieren. Die Rojiblancos gingen gleich zu Beginn äußerst resolut in jede Art von Zweikampf und attackierten das Team von Zidane wildentschlossen. Möglicherweise imponierte dieses selbstbewusste Auftreten der Hausherren den Blancos, die schon in Minute 3 beinahe in Rückstand gerieten wären. Zwei individuelle Fehler binnen weniger Sekunden bescherten Angel Correa eine spektakuläre  Großchance, die der Argentinier aber kläglich vergab. Abgesehen von dieser Aktion bekam das Madrider Publikum in der ersten halben Stunde allerdings keine nennenswerten Strafraumszenen zu sehen. Alles in einem agierten die Männer in Weiß dennoch zielstrebig; nach Balleroberung ging es meist mit Steilpässen schnellstens in des Gegners Hälfte.

 

Der Meister kommt ins Rollen

30 Minuten waren bereits verstrichen, als das Spiel allmählich an Fahrt aufnahm. Real nahm sein Herz zusehends in die Hand und spielte fortan selbstbewusster in Richtung Jan Oblak. Richtig gefährlich wurde es vor dessen Kasten aber immer noch nicht. Nichtsdestotrotz hatten Koke, Saúl & Co. offensichtlich mit den leicht erstarkten Nachbarn zu kämpfen. Sinnbildlich dafür stand die gelbe Karte, die beispielsweise Savic in der 34. Minute für ein überhartes Einsteigen gegen Kroos sah. Dieser hatte sich gut zwei Minuten zuvor lautstark über einen Kontakt im gegnerischen Strafraum beschwert; ein Strafstoß blieb dem Greifswalder in diesem Fall verwehrt. Letzteren hätte es eigentlich in der 36. Minute geben müssen, als Hernandez im Zuge eines Klärungsversuches den Kapitän der Blancos deutlichst am Kopf traf. In der Summe riss Real, nach einer mehr oder minder ausgeglichenes halben Stunde, das Spielgeschehen an sich und kontrollierte Ball und Gegner im letzten Drittel der ersten Hälfte.

2.Hälfte ohne „Mister Stadtderby“

Kurz vor Anpfiff des zweiten Durchgangs trabte Marcelo plötzlich mit angelegter Spielführer-Binde auf das saftige Grün. Sergio Ramos überließ Defensiv-Allrounder Nacho das Feld; der Kapitän blieb wohl aufgrund des Zwischenfalls mit Hernandez in den Katakomben. In der Viertelstunde nach der Pause wirkten die Gäste weitaus behäbiger als noch gegen Ende der ersten Halbzeit. Grund zur Sorge bestand deshalb keineswegs; Atlético spielte über weite Strecken ohne jeden Zug zum Tor. Für diesen steht Antoine Griezmann eigentlich wie kein anderer, doch der der Sturmstar wurde knapp 15 Minuten vor Schluss, zeitgleich mit Karim Benzema augewechselt. Die beiden Franzosen gingen jeweils für Asensio, beziehungsweise für Fernando Torres vom Feld. Der spanische Nationalheld sorgte mit sofortiger Wirkung für mächtig Alarm. Atleti offerierte schlagartig gefährlichen Offensiv-Fußball und setzte in der 78sten Minute ein donnerndes Ausrufezeichen. Kévin Gameiro war bereits förmlich im Begriff den Führungstreffer zu bejubeln, doch Varane vereitelte diesen heroisch. A propos heroisch: Eine Heldentat hätte auch CR7 in der 89. Spielminute vollbringen können, als dieser frei auf Oblak zulief, sich den Ball etwas zu weit vorlegte und die große Möglichkeit vergab, die spanische Hauptstadt zum Beben zu bringen.

In der Summe konnte das Stadtderby die hohen Erwartungen der Fans rund um den Globus  nicht erfüllen. Im großen und ganzen hätte Real den Sieg wohl verdient gehabt; den Dreier konnten die Königlichen dennoch nicht aus dem Wanda entführen. So mausert sich Atlético zu einem etwas glücklichen Punkt, in einem Match, das oftmals dahinplätscherte. Gewinner des Spieltags sind am Ende des Tages die culés aus Barcelona, die ihre Tabellenführung mit einem Sieg gegen Leganés erweitern konnten.